Verantwortung

Wenn jede Entscheidung an Ihrem Ja hängt, wird das Vorhaben nicht schneller. Es wird länger – weil ein Projekt, das nie fertig wird, auch nie scheitern kann.

Kunde ↔ Geschäftsführung

Weshalb es zum Stillstand kommt

Es gibt keine Person mit Handlungsmacht. Alles läuft über die Geschäftsführung, und weil die Geschäftsführung anderes zu tun hat, entsteht eine Warteschlange. Die Mitarbeitenden merken das früher als Sie: Sie hören auf zu fragen, und aus dem Vorhaben wird eine Dauerbaustelle, die niemand abbrechen muss, weil sie ja noch läuft.

Wer in Ihrem Haus darf ein KI-Vorhaben stoppen, ohne Sie zu fragen?

Wer stoppen darf, darf auch entscheiden. Wenn niemand stoppen darf, entscheidet niemand – dann läuft nicht das Vorhaben, sondern nur die Zeit.

Die Frage gilt inzwischen doppelt – wer darf einen laufenden KI-Agenten stoppen?

Die Rolle gibt es schon. Nur nicht bei Ihnen.

Für jede laufende Anwendung braucht es einen Namen, eine Nummer und eine Befugnis, sie abzuschalten. Die Luftfahrt hat das festgeschrieben, ausdrücklich für den Fall, dass die Automatik fliegt:

The pilot-in-command of an aircraft shall, whether manipulating the controls or not, be responsible for the operation of the aircraft. Durchführungsverordnung (EU) Nr. 923/2012, SERA.2010(a) · wortgleich in ICAO Annex 2

Geltendes EU-Recht. Automatisierung verschiebt die Verantwortung nicht, sie macht sie nur schwerer zu finden. Für KI-Anwendungen im Betrieb gibt es diesen Satz noch nicht – die Aufgabe bleibt dieselbe.

Drei Fragen, die eine laufende KI-Anwendung stellt

Wenn Sie eine davon nicht in einem Satz beantworten können, fehlt die Betriebsführung.

  1. 01

    Wer ist zuständig, wenn Ihre KI Montag früh Unsinn macht – mit Namen, Nummer und der Befugnis, sie abzuschalten?

  2. 02

    Wer entscheidet, ob eine Änderung an dieser Anwendung live geht, und woran wird das entschieden?

  3. 03

    Was legen Sie vor, wenn Beirat, Betriebsrat, Wirtschaftsprüfer oder Versicherer fragen, wer zuständig war?

Was auf dieser Achse entsteht

Verkauft wird nicht Projektbegleitung, sondern eine Rolle. Am Ende soll jemand in Ihrem Haus KI-Vorhaben entscheiden können – nicht ich. Meine Aufgabe ist, diese Person entscheidungsfähig zu machen und dafür zu sorgen, dass die Denkweise bleibt, wenn sie geht. Weil jede Entscheidung dokumentiert wird, überlebt sie den Personalwechsel; bei einer Nachbesetzung überbrücke ich und arbeite die neue Person ein.

Die Betriebsakte

Je Anwendung ein Betriebsblatt: Owner, Autonomiestufe, Konfidenzschwelle, Eskalationspfad, Abschaltbefugnis, Vertretung. Dazu Schwellentabelle, Rollenprofil und Stufenmatrix für den Betriebsrat.

Der laufende Betrieb

Änderungsfreigabe, monatliches Schwellen-Review, Vorfallaufnahme. Auskunftsbereit binnen eines Arbeitstages.

Der Nachweis

Vorfallregister einschließlich Nullmeldungen, Quartalsmessung der Nacharbeit, Jahresbeleg „Wer war zuständig", eine Seite je Anwendung. Vorlegbar bei Beirat, Betriebsrat, Wirtschaftsprüfer, Versicherer.

So sieht eine Betriebsakte aus.

Eine Seite je Anwendung. Sie beantwortet die drei Fragen von oben, ohne dass jemand sie stellen muss – und sie ist das, was Sie vorlegen, wenn Beirat, Betriebsrat, Wirtschaftsprüfer oder Versicherer fragen.

Die wichtigste Zeile ist die letzte der Abschaltbefugnis: die einzige Stelle, an der „darf nicht" steht, ist die Anwendung selbst.

Betriebsakte · eine Anwendung

Muster ohne echten Vorgang

Anwendung
Angebotskalkulation, Anwendung Nr. 4
Owner
Leitung Vertriebsinnendienst, mit Durchwahl
Autonomiestufe
Stufe 2 · entscheidet unterhalb der Schwelle
Konfidenzschwelle
0,82 darunter entscheidet die Anwendung nicht allein
Abschaltbefugnis
  • Die Anwendung selbst unterhalb der Konfidenzschwelle darf nicht abschalten
  • Reviewer bei Unterschreitung der Schwelle darf abschalten
  • Owner jederzeit, Name und Nummer im Blatt darf abschalten
  • Vertretung wenn der Owner nicht erreichbar ist darf abschalten
Nachweis
14 Entscheidungen im laufenden Quartal, 2 Korrekturen, 0 Vorfälle

Governance ist keine Mappe. Sie ist ein Betriebszustand.

Was daraus im Betrieb entsteht – KI-Inventar, Betriebsakte, Human-Oversight-Nachweis, Vorfallregister – und in welchem Takt es gepflegt wird, steht auf einer eigenen Seite.

AI Governance im Betrieb

Mit dem Betriebsrat, nicht gegen ihn

KI-Einführung scheitert selten an der Technik und fast immer an der Frage, wer mitredet. Diese vier Sätze stehen auch im Retainer-Vertrag, nicht nur auf dieser Seite.

  1. 01

    Betriebsrat ab Tag 1

    In mitbestimmten Betrieben wird der Betriebsrat ab der ersten Diskussion einbezogen – vor dem Rollout, nicht danach. § 87 BetrVG in der Praxis. Wenn der Betriebsrat nicht eingebunden wird, komme ich nicht.

  2. 02

    Keine Personen-Tracking-Mechanismen

    Keine individuellen Performance-Profile, kein Standort-Tracking, keine Bildschirm- oder Tastaturerfassung, keine personenbezogene Nutzungsstatistik im Reporting, keine Weitergabe von Verhaltensdaten. Anonymisierte Team-Aggregate ja, Personenprofile nie. Vertraglich zugesichert.

  3. 03

    Ich komme zur BR-Versammlung

    Wenn der Betriebsrat die Methode der Belegschaft erklärt haben will, komme ich. Persönlich, und beantworte auch die unbequemen Fragen.

  4. 04

    Stellenabbau ist nicht der Zweck

    Mandate, deren erklärtes Ziel Personalabbau durch KI ist, nehme ich nicht an – auch bei hohem Auftragswert.

Betriebsvereinbarungs-Vorlage lesen

Was ich nicht tue

Ich sage Ihnen nicht, ob Ihre Anwendung unter Anhang III der KI-Verordnung fällt – das ist eine rechtliche Prüfung Ihres Einzelfalls und gehört zu Ihrem Anwalt. Ich bereite die Unterlagen vor, mit denen Ihr Anwalt klassifiziert, und sage Ihnen vorher, welche das sind. Ich erstelle keine Betriebsvereinbarung und verhandle nicht mit Ihrem Betriebsrat, sondern liefere die Unterlage, über die verhandelt wird. Ich vertrete Sie gegenüber keiner Behörde, sondern sorge dafür, dass Sie auskunftsfähig sind, wenn eine schreibt. Ich zertifiziere nichts: Für das, was hier entsteht, gibt es kein Siegel, und wer Ihnen eines verkauft, verkauft Ihnen ein Bild. Und ich übernehme keine Anwendung, für die es keine Protokolldaten gibt – Betrieb ohne Protokoll ist Meinung.

Vieles davon gibt der Staat Ihnen umsonst. Hier steht, wo es aufhört.

  • KI-Compliance-Kompass der Bundesnetzagentur (Risikoklasse, kostenlos)
  • Handbuch der Mittelstand-Digital Zentren (Anbieter oder Betreiber, an elf Fällen vorgerechnet, 22 Seiten)
  • KI-Readiness-Check des DFKI (Reifegrad, 40 Fragen)
  • rund 100 KI-Trainer, kostenfrei und anbieterneutral im Haus

Keines dieser Angebote erzeugt eine Datei, die Sie vorlegen können. Der Kompass sagt es selbst: die Ergebnisse sind rein informativ und nicht bindend. Und § 12 des KI-Marktüberwachungsgesetzes gibt die Beratung im Einzelfall ausdrücklich nur öffentlichen Stellen; Unternehmen bekommen allgemeine Informationen und Anleitungen. Das ist keine Lücke in der Ausführung, das steht so im Gesetz. Hier beginnt meine Arbeit: aus der kostenlosen Einschätzung wird der Betrieb.

Fundstücke zur Achse Verantwortung

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500 € · wird bei Retainer-Start angerechnet

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